Die Entscheidung, ob Solarstrom eingespeist oder selbst verbraucht werden soll, hat direkte finanzielle Auswirkungen. Die Grundregel lautet: Eigenverbrauch ist wirtschaftlich vorteilhaft, wenn der Preis für Netzbezugsstrom höher liegt als die Einspeisevergütung – was in Deutschland seit einigen Jahren der Regelfall ist.
Die Ausgangslage: Zwei Preise im Vergleich
Beim wirtschaftlichen Vergleich stehen zwei Größen gegenüber:
- Einspeisevergütung: Der Betrag, den der Netzbetreiber je eingespeister kWh zahlt. Dieser Satz wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und von der Bundesnetzagentur veröffentlicht.
- Strompreis für Netzbezug: Der Preis, den der Haushalt für jede aus dem Netz bezogene kWh zahlt, inklusive Steuern und Abgaben.
Da der Strombezugspreis in der Regel deutlich über der Einspeisevergütung liegt, ist jede selbst verbrauchte kWh Solarstrom wirtschaftlich wertvoller als die eingesparte Vergütung für eingespeisten Strom.
Rechenbeispiel zur Verdeutlichung
Eigenverbrauch einer kWh: 30 Cent Ersparnis (kein Netzbezug nötig)
Einspeisung einer kWh: 8 Cent Einnahmen
Der wirtschaftliche Vorteil des Eigenverbrauchs: 22 Cent je kWh gegenüber der Einspeisung.
Dieses Prinzip gilt unabhängig von der konkreten Anlagengröße. Je höher die Differenz zwischen Strombezugspreis und Einspeisevergütung, desto größer der finanzielle Anreiz zur Erhöhung des Eigenverbrauchs.
Einschränkungen und Nuancen
Das einfache Rechenmodell hat einige Einschränkungen, die in der Praxis berücksichtigt werden sollten:
Zeitliche Verschiebung
Solarstrom entsteht tagsüber. Wenn im Haushalt tagsüber kein Bedarf besteht, muss der Strom entweder eingespeist oder gespeichert werden. Die Eigenverbrauchsoption ist also nicht immer verfügbar.
Investitionskosten für Speicher
Batteriespeicher erhöhen die Eigenverbrauchsquote, verursachen aber erhebliche Investitionskosten. Die wirtschaftliche Rechnung ändert sich je nach Speicherpreis, Lebensdauer und erwartetem Strompreisverlauf.
Degressive Vergütung
Die Einspeisevergütung nach EEG ist degressiv gestaltet: Neuanlagen erhalten niedrigere Sätze als Altanlagen. Diese Degression macht den Eigenverbrauch für Neuanlagen tendenziell noch attraktiver als für ältere Anlagen mit hoher Vergütung.
Besonderheiten für Altanlagen nach EEG-Auslauf
Anlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Vergütung fallen, stehen vor einer neuen Situation: Die Einspeisung erzielt nur noch den niedrigen Marktpreis. In diesem Fall gewinnt der Eigenverbrauch erheblich an Bedeutung, und eine Nachrüstung mit Speicher oder die Optimierung des Eigenverbrauchs wird für viele Betreiber wirtschaftlich sinnvoll.
Steuerliche Aspekte
Seit 2023 gilt für neue Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden eine Ertragssteuerbefreiung in Deutschland. Zudem entfällt bei bestimmten Anlagen die Umsatzsteuer beim Kauf. Diese steuerlichen Erleichterungen verbessern die Wirtschaftlichkeit sowohl bei Einspeisung als auch bei Eigenverbrauch. Details regelt das Jahressteuergesetz 2022; aktuelle Informationen stellt das Bundesministerium der Finanzen bereit.
Fazit
Unter den aktuellen Rahmenbedingungen in Deutschland ist Eigenverbrauch in aller Regel wirtschaftlich vorteilhafter als Einspeisung. Die Entscheidung ist jedoch immer individuell und hängt von Anlagengröße, Verbrauchsprofil, lokalem Strompreis und Investitionsbereitschaft ab. Eine fundierte Wirtschaftlichkeitsberechnung sollte die Grundlage jeder Investitionsentscheidung bilden.